
Computerspiele nehmen heute einen wichtigen Platz in unserer Freizeit ein und die Spieleindustrie ist enorm umsatzstark - Gründe genug für die wissenschaftliche Forschung, das Phänomen Computerspiele ganz genau unter die Lupe zu nehmen! Mehrere Forscher an der TU Chemnitz, wollten wissen wie sich Spielerinnen und Spieler in der virtuellen Welt verhalten. Das Online-Rollenspiel "World of Warcraft", mit mehr als elf Millionen Spielern weltweit wurde dabei unter die Lupe genommen.
Dabei wurde deutlich, dass aus der Psychologie bekannte Verhaltensweisen in realen Situationen auch in der virtuellen Spielwelt stattfinden. Bei Untersuchungen zum Hilfeverhalten zeigte sich beispielsweise, dass der attraktiven weiblichen Figur signifikant mehr Spieler halfen als der unattraktiven weiblichen Figur und den männlichen Charakteren.
Auch das so genannte Kindchenschema konnten die Wissenschaftler für die virtuelle Welt bestätigen: Großer Kopf, runde Augen und Stupsnase wecken einen Beschützerinstinkt. Die untersuchte Figur - eine kindliche Gnomin mit großen Augen und rosa Zöpfen - erhielt in 57 Prozent der gestellten Anfragen Unterstützung, die Vergleichsfigur - ein Nachtelf - dagegen nur bei fünf Prozent.
Wie entscheiden sich Neulinge für ihren Avatar, wenn sie die virtuelle Umgebung noch gar nicht kennen? Drei Faktoren spielen eine große Rolle, die Spielmechanik, die Hintergrundgeschichte und das Aussehen des Avatars. In Seminarstudien zeigte sich, dass dem Aussehen die größte Bedeutung zukommt. Unter anderem sollten Menschen, die keine Erfahrung mit World of WarCraft hatten, einen Avatar erstellen - und zwar unter der Maßgabe, mit ihm für einen längeren Zeitraum zu spielen. Das in virtuellen Umgebungen oft vermutete Gender-Swapping - also das Erstellen von gegengeschlechtlichen Avataren - konnte dabei nicht beobachtet werden.
Im Gegenteil: Es ergab sich der statistisch bedeutsame Effekt, dass Frauen weibliche und Männer männliche Avatare bevorzugen.
Vor allem Neulinge erstellen sich sehr menschliche Charaktere. Sie achten hauptsächlich auf das „schöne“ Aussehen des Avatars und nicht auf seine Fähigkeiten.
Quelle: TU Chemnitz