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130 Millionen "Wüstenblumen" - Genitalverstümmelung bei Mädchen

Viele von euch kennen sicherlich das Buch „Wüstenblume“ von Waris Dirie. Sie beschreibt darin ihre Kindheit in Afrika und den Weg zum gefragten Fotomodell.

Im Alter von fünf Jahren hat Waris Dirie die Qualen der Beschneidung erlebt - ein Ritual, an dessen Folgen ihre Schwester und zwei Cousinen gestorben sind.

Heute kämpft sie als Sonderbotschafterin der UNO weltweit gegen die Genitalverstümmelung von Frauen, die heute noch in 28 Ländern praktiziert wird

Weltweit leben mehr als 130 Millionen Mädchen und Frauen, deren Genitalien verstümmelt wurden. Und jedes Jahr werden erneut schätzungsweise zwei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktiken.

Vor allem in afrikanischen Ländern, aber auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Oman, im Jemen, in Indonesien und Malaysia werden Mädchen auf diese Weise verstümmelt.

Dabei werden ihnen:

  • die Klitorisvorhaut und die Glans der Klitoris bzw. die gesamte Klitoris abgetrennt (Klitoridektomie) oder
  • zusätzlich die kleinen Schamlippen entfernt (Excision) und Haut und Gewebe aus der Vagina herausgeschabt (Introcision)
  • häufig werden auch die großen Schamlippen abgetrennt und die verbleibende Haut zusammengenäht oder mit Dornen aneinander geheftet, so daß nur eine winzige Öffnung verbleibt (Infibulation)

Die Gründe, die zur Rechtfertigung dieser Praktiken genannt werden, sind vielfältig und widersprüchlich.

  • "Die normale Vagina ist schmutzig und häßlich"
  • "Erst mit der Entfernung der Klitoris wird das Geschlecht der Frau eindeutig weiblich"
  • "Die Keuschheit bzw. Jungfräulichkeit der Frau wird gewährleistet"
  • "Die Fruchtbarkeit der Frau wird erhöht"

Solche und ähnliche Vorstellungen bildeten die Basis dafür, dass die Praktik der Genitalverstümmelung Eingang in viele Kulturen fand und zum festen Bestandteil traditioneller Handlungen wurde.

Mädchen, die sich der genitalen Verstümmelung entziehen wollen, müssen mit Ausgrenzung aus der Gesellschaft rechnen, was mit unvorstellbarer Armut und Ächtung verbunden ist.

Nur aufgrund der vielfältigen Repressalien und einer frauenfeindlichen Struktur war und ist es möglich, diese Praktik als anerkannten Bestandteil des Gesellschaftslebens aufrechtzuerhalten. Gemeindeoberhäupter oder religiöse Führer unterstützen diese Folter für Mädchen und Frauen bewusst.

Die weibliche Sexualität soll unterdrückt und die sexuelle Treue sowie Empfängnis soll allein vom Ehemann bestimmt und kontolliert werden.

Die Opfer sind mit den Folgen und Schmerzen der Verstümmelungen allein. Da viele Frauen die gleichen Symptome zeigen (z. B. extreme Menstruationsbeschwerden), gehören sie zur Normalität.

Die hochgradige Gewalterfahrung, die irreparablen Schäden an Körper, Seele und Gesundheit, finden fast keine Beachtung:

  • Viele Mädchen überleben den überaus risikoreichen Akt der Verstümmelung nicht. Sie sterben unmittelbar aufgrund massiver Organschädigungen oder Blutverlust oder kurze Zeit später infolge von Infektionen durch Erreger aller Art. Die Gefahr der AIDS-Übertragung ist sehr groß.
  • Die Überlebenden leiden meist lebenslang an den katastrophalen gesundheitlichen Folgen, z. B. an chronischen Schmerzen und Infektionen, immensen Beschwerden bei Menstruation und Wasserlassen, Unfruchtbarkeit, Inkontinenz, verhärteten Narben, Zysten, Abszessen, Frigidität.
  • Die enorm hohe Mütter- und Kindersterblichkeit in Afrika ist u. a. direkt auf die Verstümmelungen zurückzuführen, da das Narbengewebe komplikationsfreie Geburten häufig unmöglich macht.
  • Genitalverstümmelungen sind Ausdruck und gleichzeitig Mittel zur Unterdrückung von Frauen und Mädchen!

Die Tatsache, daß es sich außerdem um ein gravierendes und vermeidbares Gesundheitsproblem handelt, spricht für eine internationale Ächtung und gemeinsames Handeln!

Schon seit Jahren engagieren sich afrikanische Frauen, um diese traditionellen Praktiken in ihren Heimatländern durch Aufklärung und Sensibilisierung zu bekämpfen. Dabei erhalten sie häufig keinerlei Unterstützung seitens der Regierungen. Gleichzeitig setzen sie, indem sie ein Tabuthema öffentlich angehen, ihre soziale Stellung und oft sogar ihr Leben aufs Spiel.

In jüngerer Zeit haben auch große Organisationen wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation), die UNO (Vereinte Nationen) oder UNICEF (Fond der Vereinten Nationen für internat. Kindernothilfe) eindeutig Stellung zu dieser Problematik bezogen.
Sie verurteilen weibliche Genitalverstümmelung als Menschenrechtsverletzung.

In Europa und den USA folgte, trotz intensiver Diskussion darüber, ob es rechtens sei oder nicht, sich in "andere Kulturen" einzumischen, eine breite Solidarität und Aktionsbereitschaft.

Diese Bewusstseinsänderung hat sicherlich damit zu tun, daß wir zunehmend auch in Europa mit genitalverstümmelten Frauen konfrontiert werden. In Einwanderungsfamilien sind Mädchen der Gefahr ausgesetzt, sich dieser schmerzhaften Prozedur unterwerfen zu müssen weil einflußreiche Familienmitglieder diese Tradition fortsetzen wollen.

In Großbritannien und Frankreich beispielsweise sind jährlich 10.000 bzw. 20.000 Kinder bedroht, verstümmelt zu werden.

Über die Situation in Österreich liegen bislang keine verlässlichen Zahlen vor. Allerdings gibt es zunehmend Hinweise, dass auch hier Mädchen bedroht sind.
Vor dieser Tatsache sollten wir die Augen nicht verschließen!

Auszug aus Informationen zur Genitalverstümmelung
Petra Schnüll

Weitere Infos und die Broschüre Ein herrliches Fest gibt es unter: www.terre-des-femmes.de

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