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Stöckelschuhe sind ein Gesundheitsrisiko

Stöckelschuhe fördern die Entstehung von Hallux valgus, dem Überbein. Auch die Gene können dafür verantwortlich sein. Bei Leidensdruck kann operiert werden.

Vor allem ältere Personen sprechen oft noch vom Frostballen und meinen die wulstige Beule, die sich bei manchen Menschen am Ansatz einer Großzehe zeigt. Sie käme davon, dass man im Krieg als Kind so schlechte Schuhe getragen hat und ständig unter kalten Füßen litt, klagen sie. Ein moderner Mythos, mehr nicht.

Schuld an dieser als Schwellung wahrgenommenen Beule ist eine Schiefstellung im Großzehengundgelenk. Die Großzehe wird dadurch nach außen gedrückt. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet Hallux valgus, umgangssprachlich auch Überbein genannt.

Es gibt unterschiedliche Auslöser für diese Fehlbildung. "Die häufigste Ursache ist natürlich der Damenschuh", so der Facharzt Hans-Jörg Trnka vom Orthopädischen Spital Speising in Wien gegenüber dem Standard. Letzterer ist oft schlichtweg zu schmal und pfercht die Zehen in den Schuh hinein. Hohe Absätze verstärken diesen Effekt zusätzlich.

In Japan tritt Hallux valgus viel seltener als in Europa auf, berichtet Trnka. Der Hintergrund: Japanische Frauen tragen traditionell häufig Sandalen. Diese erhalten die natürliche Zehenstellung. Allerdings gibt es auch einige Hinweise auf eine genetische Veranlagung, in manchen Familien tritt die Halluxbildung deutlich häufiger auf.

Wirkung und Schwerkraft
Die eigentliche Entstehung der Krankheit ist indes vor allem eine Frage der Physik. Das Zusammendrücken der Zehen in Kombination mit einer Spreizung des ersten Mittelfußknochens erzeugt zunächst einen Winkel zwischen diesem und den Knöchelchen der Großzehe.

Infolgedessen rutscht das Gelenkköpfchen geringfügig aus seiner Halterung. Dadurch wiederum verändert sich die Bogenspannung auf die dort verlaufenden Sehnen, die nun einen verstärkten Zug ausüben. Der Winkel zwischen Zehenachse und Knöchelchen vergrößert sich weiter, das Problem wird chronisch.

Hierzulande ist das Phänomen ziemlich weit verbreitet. "Ich schätze, dass über 50% der österreichischen Frauen in irgendeiner Form einen Hallux valgus haben", sagt Hans-Jörg Trnka. Weniger als ein Zehntel der Betroffenen sind Männer. Viele Fälle sind indes symptomfrei und deshalb nicht therapiebedürftig.

Mitunter aber kann die Fehlbildung zu chronischen Schmerzen führen. Einige Frauen empfinden ein Überbein darüber hinaus als eine schlimme Verunstaltung ihrer Füße und wünschen eine Beseitigung. "Wenn der Leidensdruck zu groß ist, ist eine Operation das Mittel der Wahl", meint Trnka.

Optionen für Operation
Nicht wenige Ärzte empfehlen zur operativen Behandlung eines Hallux valgus einen nur geringfügigen Eingriff, wie zum Beispiel das Abschleifen des herausragenden Knochens. Hans-Jörg Trnka sieht solche Herangehensweisen allerdings eher skeptisch. "Der mechanische Zug ist dann ja weiter vorhanden", warnt der Orthopäde. Dementsprechend hoch sei auch die Rückfallgefahr.

In schwereren Fällen, bei einem Winkel von mehr als 16°, wählen Chirurgen gerne die Scarf-Osteotomie. Sie basiert ebenfalls auf einer Durchtrennung des ersten Mittelfußknochens, diesmal allerdings in Z-förmiger Schnittführung über die gesamte Schaftlänge des Knochens.

Radikale Maßnahmen
Bei besonders ausgeprägten Fehlstellungen wählen Orthopäden unter Umständen die Radikallösung: Das gesamte Gelenkköpfchen wird eliminiert und das Knöchelchen des Großzehs fest mit dem ersten Mittelfußknochen verschraubt. Dieser Ansatz hat eine große Wirksamkeit, kann aber auch stärkere operationsbedingte Nebenwirkungen haben.

"Man darf das Problem nicht verharmlosen." Im Kindesalter dagegen lässt sich Hallux valgus oft noch ohne Operation behandeln. Richtiges Schuhwerk mit Freiraum für die Zehen ist dabei entscheidend. Vorsicht ist gleichwohl beim Einsatz von speziellen Schuheinlagen für Kinder geboten, sagt Trnka. Beobachtungen aus Großbritannien zufolge könnten solche Hilfsmittel die Fehlstellung der Knochen sogar noch verschlimmern.

(Quelle: Der Standard)
Verfasserin: Ruth Hammerschmidt, M.A.

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